Lederkluft statt Zuckergußprinzessinnenkleid

IDEENHELDIN Woche 2

Interview mit Bettina Kalandra

Mir ist Bettina direkt in unserer Ideenhelden FB-Gruppe aufgefallen. Ihre Begeisterungsfunken sprühten in alle Richtungen, als sich Bettina der Gruppe vorstellte ;).

Ich schätze an Bettina Ihre direkte, liebevolle und unkonventionelle Art. Sie ist eine Andersdenkerin, die mit ihren vielen Ideen und ihrer Courage zeigt, wie man ein buntes Leben jenseits der Angepasstheit führen kann. Freut Euch auf ein inspirierendes Interview mit Bettina Kalandra!


„Woran hast Du erkannt, dass Du eine Ideenheldin bist?“ 

Ich dachte jahrelang, mit mir würde etwas nicht stimmen. Alle Menschen in meinem Umfeld beginnen Projekte und stellen sie fertig. Dann fangen sie etwas neues an. Sie bleiben bei der selben Arbeitsstelle, wo sie ihre Lehre begonnen haben, sie bleiben beim selben Partner, den sie teils vor 45 Jahren geheiratet haben, sie fahren seit 40 Jahren an denselben Urlaubsort.

Die „Künstler“ in der Familie wurden als schlechtes Beispiel hingestellt, die nix auf die Reihe kriegten und im besten Fall belächelt wurden. Trotzdem (oder gerade deshalb) fühlte ich mich immer schon genau diesen Menschen weit mehr verbunden. Gleichzeitig bemühte ich mich, dem Bild zu entsprechen, welches von mir erwartet wurde. Ausbildung mit 14 zur Kindergärtnerin, kennenlernen des zukünftigen Ehemannes mit 17, Hochzeit mit 21, danach 2 Kinder. Arbeit, Häuschen, Familie. Ausgetobt hab ich mich mit Handarbeiten und Bastelarbeiten.

Mit 28 Jahren war Schluss. Job geschmissen, Scheidung, nach 5 Monaten (und 2 Monate nach Kennenlernen) meinen 2. Mann geheiratet – diesmal in Lederkluft statt Zuckergußprinzessinnenkleid), noch 2 Kinder bekommen… Ich rebellierte. Trotzdem war ich weiterhin auf der Suche. Auf der Suche nach DEM ultimativen Projekt, das es vermochte, mich mehr als ein paar Wochen zu fesseln.

Dass ich möglicherweise eine Scannerin bin, las ich zum ersten Mal bei Barbara Sher in ihrem Buch „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“. Dass ich Ideenheldin und gar nicht so allein und verrückt bin wie gedacht, erfuhr ich durch Diana und der Ideenheldengruppe auf Facebook. Seither lebt es sich leichter.

BettinaKalandra

„Was liebst Du an Deinem Ideenheldin-Sein?“ 

Mittlerweile alles. Die Abwechslung, die Aufregung, wenn eine neue Idee durch meinen Kopf schießt. Das unbändige Gefühl von „Neu und unbenutzt“, wenn ich mich in ein Projekt stürze. Die Berge von Zettel, Notizbücher und Post-Its rund um meinen Arbeitsplatz, die mir zeigen, welche Möglichkeiten da sind und nur darauf warten, umgesetzt zu werden. Das unglaublich gute Gefühl, wenn ich es dann doch mal schaffe, etwas fertigzustellen.

Was ich ganz besonders mag, ist die Vielzahl an Menschen, die ich aus den verschiedensten Bereichen kennenlerne. Meine Interessen sind so vielfältig, dadurch vergrößert sich natürlich auch der Bekanntenkreis um ein Vielfaches.

Für mich ist es mittlerweile so: Wenn ich in einen Vergnügungspark gehe, kann ich mich entweder mit 2 oder 3 Fahrgeschäften intensiv auseinandersetzen und zufrieden sein. Oder von einem zum anderen laufen, jedes kurz ausprobieren und so einen großteils des Parks ansatzweise kennenlernen. Ich praktiziere die 2. Variante, es gibt hier kein richtig oder falsch. Jeder, wie er mag.

„Was fordert Dich dabei heraus?

Prinzipiell ist für mich der Weg das Ziel, der Zieleinlauf selbst interessiert mich herzlich wenig. Dafür gibt es am Weg selbst zuviel zu entdecken und auszuprobieren. Trotzdem gibt es natürlich auch in meinem Leben Dinge, die fertiggestellt werden müssen, die eine Routine haben und die man nicht einfach zu den Akten legen kann. Ich habe 4 Kinder, einen Haushalt und glücklicherweise einen Ehemann, dessen einziger Wunsch es ist, dass ich glücklich bin. Und das ich ihm den Rücken freihalte, damit er unsere Brötchen verdienen kann.

BettinaLederkluft 

Ich liebe Listen und Notizbücher (wie wahrscheinlich viele Ideenhelden), aber auch hier geht es ums schreiben und nicht ums umsetzen. Trotzdem gebe ich nicht auf, ein System für mich zu finden, dass mich an der Hand nimmt und durch routinierte Arbeitsabläufe leitet und mir gleichzeitig die Flexibilität lässt, spontan zu handeln.

Manchmal wünsche ich mir, eine Sache fertigzustellen oder dranzubleiben, auch wenn langweilige Strecken dabei sind. Nicht immer gleich alles hinzuwerfen, wenn etwas nicht nach Plan läuft, sondern nur das zu ändern, was dabei falsch ist und so ein Projekt zu verbessern, statt es gleich ad Acta zu legen.

Auch ich wäre gerne erfolgreich in meiner Selbständigkeit – und ich werde es schaffen, davon bin ich überzeugt. Ich brauch nur ein paar Tage länger als Menschen, die auf Businessplänen schlafen und jeden Abend ihre Todoliste fertig abgehakt haben. Einfach weil es auf dem Weg dahin so wahnsinnig viel gibt, was einen Blick lohnt. Oder einen Zweiten.

„Was hat Dir geholfen, mit Deinen Herausforderungen umzugehen?“

Das ist eine gute Frage, im Prinzip kämpfe ich täglich aus Neue damit, die Herausforderungen zu bewältigen. Ich habe so ziemlich alles ausprobiert, was es an Ordnungssystemen gibt, um etwas Struktur in meinen Tag zu bringen. Von Listen und Plänen über Ideenmappen bis zu Organisationstools. Nichts davon kann mich lange genug bei der Stange halten.

Ich liebe Listen – allerdings nur, sie zu schreiben. Kann ich stundenlang machen. Bei der Abarbeitung scheiterts dann meist schon wieder. Pläne? Oh ja, schön bunt und immer weiter heruntergebrochen, so dass ich einzelne Tagespläne erhalte. Super, wenn ich sie erstelle – da würde ich am liebsten sofort mit der Umsetzung beginnen. Nur wenn ich dann am nächsten Tag vor dem Tagesplan sitze, fallen mir mindestens 5 Dinge ein, die mir gerade wichtiger und spannender erscheinen.

Mit meinen Ideenmappen kann man ganz Österreich abdecken. Auch die Einarbeitung in Onlinehilfen bereitet mir keine Schwierigkeiten – sie nur dann auch tagtäglich zu verwenden, setzt mich so unter Druck, dass ich dann gar nichts mehr tue.

Meine Lösung: Ich bleibe bei den Mitteln, die sich klammheimlich und ganz natürlich in mein Leben eingefügt haben (Notizzettel, eine simple App namens „Do it tommorow“ für Arbeiten für den nächsten Tag, ein Notizblock für neue Ideen UND die Einsicht, dass ich eben nicht so funktioniere wie andere und es auf meine Art tun muss, um glücklich zu sein.

Dann habe ich halt 10 Websites für meine Projekte, dann ändere ich deren Aussehen halt des öfteren, bis ich mich dort wohl fühle. Dann brauch ich halt etwas länger, bis mich die Menschen finden – Hauptsache ich muss keine klassischen Werbeformen oder reißerische Blogartikel schreiben. Oder etwas regelmäßig tun, nur um den marketingtechnischen Anforderungen zu genügen.

BettinaAngebote

Ja, es kann passieren, dass ich mich 2 Wochen lang ausschließlich um ein Projekt kümmere und ganz darin aufgehe (so wie aktuell mit www.webspirit.at ). Ja, es kann passieren, dass ich in einer Woche 3 Blogartikel veröffentliche, weil mir gerade soviel auf der Zunge liegt. Es kann aber dann genau so gut sein, dass es anschließend 2 Monate ganz still wird um das Projekt (so wie aktuell bei www.hat-chi.at ). Weil ich mich um etwas anderes kümmere.

Zu wissen, wie man sich erfolgreich etabliert und es umsetzen zu können, sind 2 Paar Schuhe. Und ich habe keine Lust mehr mich selbst zu blockieren und von meinem Ideenfluss abzuschneiden, nur um es „nach Plan“ zu machen.

Ich liebe mein Leben, ich liebe mein Chaos und ich liebe es spontan etwas zu erledigen. Der Preis dafür? Ich schaffe es nicht, „1000 Newsletterempfänger in 3 Monaten“ einzukassieren oder „200 Kursbuchungen in 30 Tagen“ oder wie die ganzen Versprechungen der Marketingexperten so heißen. Dafür stehe ich gerne täglich auf und freue mich, wenn ich mich an meinen Arbeitsplatz setzen darf.

„Was möchtest Du den anderen Ideenhelden mit auf den Weg geben?“

 

Mach das, was leicht von der Hand geht, weil es deinem Wesen entspricht. 

Lass dich auf gar keinen Fall von Glaubenssätzen beeinflussen – die klassischen Arbeitswege funktionieren für Ideenhelden nicht! 

Du darfst so sein, wie du bist. 

Passe deine Arbeit und dein Umfeld DEINEN Bedürfnissen an, nicht umgekehrt.

 

Und wenn du – so wie ich – viele deiner Ideen im Internet umsetzt – erstelle eine Anlaufseite, wo man ALLES von dir finden kann. Meine heißt www.bettinakalandra.at und befindet sich gerade in der Entstehungsphase. So kann dich jeder finden, in deinem reichhaltigen Buffett auswählen und wird dann weitergeleitet auf das, was er braucht. Und wo genau DU ihm helfen kannst. Eben weil du so vielseitig und besonders bist!

 

Danke Bettina für dieses tolle Interview! Auch mich hast Du wieder sehr inspiriert, mit Deiner authentischen und sprühenden Art! 

Liebe Leser/in, was interessiert Dich noch? Stelle Bettina gerne noch Fragen in den Kommentaren oder teile Deine Gedanken mit ihr. Wir freuen uns darauf!

Alles Liebe,

 Unterschrift Diana

 

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16 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Bettina, Hallo Diana,

    Jahaaaa!!! – Dieses Interview war der ultimative Kick für diesen Tag!
    Das macht mir total Mut, weil ich auch so eine Zettel-ich-habe-da-noch-eine-Idee-Frau bin. Und auch bei mir funktioniert kein Ordnungssystem (von denen ich ebenfalls viele hatte)
    Habe übrigens gerade eine neue Website in Arbeit … schön aufgeräumt wie es sich gehört. Und entdecke beim Lesen des Interviews, dass es ja auch noch gaaaanz anders aussehen könnte….
    Je mehr ich mein eigenes Eigen-sein (bei manchen dauerts länger) leben werde, um so bunter, vielgestaltiger wird es werden.
    Ich werde mir hier immer wieder Mut abholen, wenn „die da draußen“ mich nach ihren Maßstäben mal wieder effizienter machen wollen. Verrückt ist lebendiger und wird ja vielleicht auch mal wahr genommen. Nee – sicher!
    Liebe Grüße Euch beiden.
    Ich bin echt froh, über Euch gestolpert zu sein.

    Gabriele

  2. Früher habe ich immer damit gehadert, dass andere ihre Berufung finden/gefunden haben. Immer, wenn ich dachte, genau das ist es, in dem gehe ich ganz auf, kam es irgendwann zu dem Punkt, wo mich doch etwas anderes interessiert hat.

    Ganz lange Zeit war ich darüber sehr unglücklich bis ich erkannt habe, das bin halt ich. Es ist super, immer wieder etwas Neues zu beginnen.

    Jetzt kann ich es genießen und freue mich darüber, dass es gerade so ist, wie es ist. Und wenn es morgen etwas anderes ist, werde ich es genau mit dem gleichen Einsatz und der selben Freude machen.

    Danke für den schönen Beitrag, hat mir sehr gut gefallen!

    lg
    Maria

  3. Guten Morgen liebe Bettina und Gabriele!

    Herzlichen Dank für das morgendliche Lächeln, das ihr mir mit diesem Beitrag auf die Lippen zaubert und der Lösung die zwar schon online ist, deren Fäden ich aber nicht zusammen knüpfen konnte… und jetzt ist es ganz einfach für mich. Danke!!!!! Typisch Scanner und HSP. Vor lauter Vernetzungen im Kopf sieht man hin und wieder die einfachsten Sachen nicht. Sollte ich jetzt kryptisch reden… so denkt euch nichts dabei. Ich überlege nämlich schon seit Wochen, wie ich meine ganzen Projekte für den User einfach übersichtlich navigierbar mache. Mein Portfolio zeigt ja schon was ich alles mache, doch die Verbindung zu den Projekten könnte noch einfacher sein. Die zündende Idee kam beim Lesen dieses Beitrags :-))

    Also weiter Ideen produzieren und Webseiten gestalten und sich nicht verbiegen, nur weil ANDERE etwas vorgeben wie man es machen soll.

    Liebe Grüße
    BeaTE

  4. Liebe Bettina, liebe Diana,

    this made my day! Ein wirklich toller Artikel, mit dem ich heute morgen sehr gerne in den Tag gestartet bin. Und ich konnte mich in sooooo vielen Punkten wiederfinden! Bin übrigens auch leidenschaftliche Kladdensammlerin, es gibt fast nix Tolleres als ne leere Kladde – doch, gibt es. Eine volle 🙂 Ich liebe es, in meine Notizen zu schauen. Was ich dann letztlich davon umsetze… öh… *hüstel*. Nun, ich hoffe, dass ich da nicht die einzige bin…

    Jedenfalls nochmal vielen Dank für den tollen Beitrag!

  5. Liebe Bettina, liebe Diana

    WOW! Herzlichen Dank für diesen genialen Artikel. Ich hab kopfnickenderweise vor dem Bildschirm gesessen und gelacht. Genau, genau…thats it. Liebe Bettina, Gratulation! Du machst das super.
    Ich hab im letzten Jahr zum 1. mal von HSP und Scanner gehört, ich hab mich aber nicht weiter damit auseinandergesetzt weil ich da noch da soooo beschäftigt war mit meinem derzeitigen Projekt, das ich unbedingt durchziehen wollte. Mittlerweile hab ich aber zum GLück gecheckt, warum ich so drauf bin wie ich halt drauf bin. Und es ist vieles einfacher. Und ich finds geil, denn es ist spannend und wird nie langweilig;-) Ja dann mach ich jetzt mit 56 eben noch mal was ganz Anderes. Na und? So lange ich noch nicht unterm Torf liege, kann man mit mir ja noch was anfangen…hähähä:-)

    Schön, dass es Euch gibt Ideenhelden! Ihr seid echt eine riesige Bereicherung in meinem Leben. Ach, da fällt mir ein, dass ich mich auf der Seite noch gar nicht vorgestellt habe. Warum? Na weil ich mal wieder tausend andere Ideen im Kopf hatte. Mach ich aber dann mal;-)

    Ich wünsch Euch weiterhin viel Spass und noch mehr Ideen:-)

    Herzlichst
    Moni

    1. Liebe Moni, oh wie schön ist es Deine Zeilen zu lesen. So herzerfrischend! Freut mich total, dass wir eine Bereicherung für Dich sind :o).

      Ich freu mich schon auf Deine Vorstellung! Fitte Füße ist ein klasse Name.

      Liebe Grüße und fröhliche Ostern,
      Diana

    2. Liebe Moni,
      wow – ich finde es immer wieder bewundernswert, mit welchem Elan und welcher Freude sich ideenhelden (sobald sie wissen, das sie „sowas“ sind) in ihre projekte stürzen. Und plötzlich ist kein Alter, kein Umfeld und keine Familie mehr Hemmschuh.
      Daumen hoch!
      lg Bettina

  6. Liebe Bettina, liebe Diana,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel! Es tut immer wieder soo gut, zu lesen, dass es noch andere Verrückte in dieser Welt gibt 😉
    In meiner ’normalen‘ dörflichen Umgebung fühle ich mich manchmal schon ein bisschen fremd – ich kann Menschen sogar genau erklären, wie es mir geht und warum ich was mache aber es ist, als würde ich eine andere Sprache sprechen – sie verstehen es einfach nicht.

    Ein Hoch auf das Internet! Ohne solche Seite wie diese hätte ich wahrscheinlich nie herausgefunden, dass ich eine Ideenheldin bin und das auch gut so ist 🙂

    Liebe Grüße,
    Marie

    1. Liebe Marie, ich finde es toll, als Verrückte zu gelten 😉 Eine liebe Freundin und Kollegin hat mich erst kürzlich ganz charmant so eingeschätzt: „Was da nicht steht ist auf jeden Fall das du total durchgeknallt bist, verrückt, liebevoll, lustig. Du erinnerst mich eher an einen gutgelaunten PingPong Ball….der auch mal ernst sein kann… „.

      Ich nehme das mal als Kompliment ;).

      Ganz liebe Grüße,
      Diana

      P.S. Ich bin auch unglaublich happy auf das Internet, die sozialen Foren, die es möglich machen, dass wir uns egal wo wir wohnen, so nah sein können :).

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